" Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft,
und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht." (Hebräer XI. 1)


...JETZT...und im Augenblick des Todes ...JETZT...und im Augenblick des Todes

DAS MYSTERIUM VON LEBEN UND TOD



Von Anfang an wurde der Mensch mit dem Problem des Todes konfrontiert und befaßte sich daher intensiv mit dem Mysterium von Leben und Tod. Man wird geboren, um Karma abzuarbeiten, und erntet, was man gesät hat. Das Gesetz des Karma ist die Kette, die den Menschen an das Rad von Leben und Tod bindet. Karma bindet, es kann aber auch befreien. Karma bedeutet Bindung, solange man an der flüchtigen Welt der Sinne festhält. Sobald man sich dem Ewigen zuwendet, befreit Karma.

Betrachtet man die Welt, bemerkt man, daß einige reich, gesund und intelligent, andere dagegen arm, unwissend und krank zur Welt kommen. Nachdenkliche Menschen überlegen nun angesichts dieser offensichtlichen Ungerechtigkeit, ob es wirklich eine barmherzige und gütige Vorsehung gibt. Es ist jedoch sinnlos, Gott für Leiden und Unglück, das der Mensch selbst verursacht hat, verantwortlich zu machen. Wie viele befolgen die Lehren der Schriften in Gedanken, Wort und Tat?

Der Mensch selbst löst sein Leid aus, wenn er die Gesetze Gottes bricht. Gott sieht lediglich zu und überläßt es Seinen Gesetzen, für Gerechtigkeit zu sorgen. Krishna sagt in der Gita: »Als der Herr bin ich gleich anwesend in allen Wesen. Es gibt keines, das mir verhaßt oder teuer ist.« Gott wohnt unberührt als atma in allen Wesen. Da er dem Menschen einen freien Willen gab, läßt Er ihn sein eigenes Schicksal schmieden. Durch sein Tun wird der Mensch an die Kette des Karma geschmiedet, das er dann langsam und schmerzvoll von Geburt zu Geburt abarbeitet. Vorausgesetzt, daß jede Wirkung eine Ursache hat und es keine vorherige Geburt gibt, was wäre dann der Grund dafür, daß jemand als Invalider oder Schwachsinniger geboren wird? Es sind vorangegangene Handlungen aus früheren Leben, die den Menschen zu dem machen, was er ist und tut.

Biologen vertreten die Vererbungstheorie und behaupten, sie erkläre den Menschen zufriedenstellend. Wenn aber alles nur Vererbung ist, wie läßt sich da die Tatsache erklären, daß Kinder derselben Eltern solch bemerkenswerte Unterschiede in Temperament, Charakter, Intelligenz etc. aufweisen? Auch wenn Kinder derselben Eltern in derselben Umgebung aufwachsen, besitzen sie nicht die gleiche Persönlichkeit. Julian Huxley schreibt die Geburt eines Genies oder eines Schwachsinnigen dem Zufall oder einem >Geburtsunfall< zu. Es gibt jedoch keinen Zufall im Universum. Alles ist wohlgeordnet und folgt Gesetzen. In dieser Welt passiert nichts unabsichtlich, alles geschieht mit Absicht. Das läßt sich überall beobachten. Ist es etwa Zufall, daß der Apfel auf den Boden fällt? Unkenntnis eines Sachverhalts bedeutet nicht, daß dieser nicht existiert. Nur das Gesetz des Karma erklärt, warum jedes Individuum ist, was es ist.

Nichts geschieht ohne Grund. Wirkung und Ursache entsprechen einander. Weder Vererbung noch Umwelteinflüsse, nicht einmal ihre Wechselwirkungen, können die Tatsachen des Lebens erklären. Ein körperlicher Prozeß kann nur eine körperliche Wirkung erzielen, mehr nicht. Nur Körper und Verstand einer Person können dem Erbmaterial und der Umwelt zugeschrieben werden. Für die Erklärung der Persönlichkeit eines Individuums muß man woanders suchen. Einzig durch Anerkennung der Lehre von der Wiedergeburt bekommt man eine Erklärung für alle Parameter, die eine Person ausmachen. Nur wenn der Mensch versteht, was er ist und warum er existiert, kann er sein Leben und Schicksal verändern. Durch Kenntnis seines Karma kann er Karma meistern.

Karma bedeutet Handlung, sowohl auf der körperlichen als auch auf der geistigen Ebene. Jede Handlung, jede Aktion hinterläßt einen Eindruck im Unterbewußtsein eines Menschen und hat einen guten oder schlechten Einfluß auf sein Leben. Die Eindrücke der Handlungen aus vergangenen Leben sind im Überbewußtsein gespeichert und keimen in geeigneter Umgebung auf. Sie bilden die innere Umgebung, die gemeinsam mit der äußeren Umgebung die Handlungen eines Menschen bestimmt. Karma wird in drei Kategorien eingeteilt: samcita, prarabdha und kriyamana. Samcita ist das Karma unserer vergangenen Leben, das im Mittelhirn gespeichert ist und noch keine Früchte getragen hat. Prarabdha ist das Karma aus vergangenen Leben und bestimmt das gegenwärtige Leben. Kriyamana ist das Karma, das man in diesem Leben ansammelt und das in zukünftigen Leben Früchte tragen wird.

Verliert ein Mensch sein Ego und identifiziert sich nicht mehr mit seinen Handlungen, hören diese auf, ihn zu binden. Die Lösung ist nicht Untätigkeit, sondern Unberührtheit, wodurch das Gesetz des Karma aufgehoben und der Mensch befreit wird. Das Leben eines Kriya Yogi wird nicht durch frühere Handlungen bestimmt, sondern durch die Führung seines inneren Selbst. Der Schüler vermeidet das mühselige Ausarbeiten seines Karma und gelangt daher schnell ans Ziel. Er wird frei von Leben und Tod.

Der Tod birgt eigentlich nichts Geheimnisvolles. Die Wahrheit ist, daß zwischen Leben und Tod kein Unterschied besteht. Nichts ist wirklich tot. Ebenso wie Atome in unbelebter Materie, wie Metall, ständig in Bewegung sind und mit hoher Frequenz schwingen, befinden sich auch die Atome im Fleisch einer Leiche in ständiger Bewegung und hoher Schwingung. Die verschiedenen Formen der Materie sind Manifestationen derselben Lebenskraft, so wie Eis, Wasser, Schnee und Dampf verschiedene Aggregatszustände derselben Substanz sind. Die ganze Materie, unbelebte und tote Körper eingeschlossen, ist die Manifestation des Lebens. Wie Gurudev Paramahamsa Yoganandaji sagt: "Das Leben schläft in der groben Erde, träumt von Schönheit in den Blumen, erwacht mit Macht in den Tieren und besitzt im Menschen Bewußtsein mit unbegrenzten Möglichkeiten."

Mit der Geburt tritt etwas in die Welt ein, während im Tode etwas weggeht. Dieses Etwas ist das Thema aller Religionen, die seit jeher versuchten, es zu ergründen, und auch gewisse Antworten fanden. Die Menschheit ist an diesem Etwas seit jeher äußerst interessiert. Handlungen in früheren Leben erzeugen den Charakter des Individuums und führen zu neuen Handlungen, die wiederum zur weiteren Entwicklung verhelfen. Dieser Prozeß endet in Befreiung, der letztendlichen Bestimmung aller Lebewesen. Ein Mensch wird seinem Karma entsprechend geboren. Wenn die planetarischen Positionen mit seinem Karma übereinstimmen, geht der feinstoffliche Körper in den Schoß der Mutter ein und formt den grobstofflichen Körper. Zu gegebener Zeit wird dann das Kind geboren.

Ein Individuum durchläuft verschiedene Lebensstadien und speichert die Erfahrungen und Eindrücke seiner Handlungen im Unterbewußtsein. Sobald das prarabdha-Karma, das die Geburt verursacht hat, erschöpft ist, wird der Astralkörper wieder vom grobstofflichen Körper getrennt. Dieses Phänomen wird Tod genannt. In Wirklichkeit ist es einfach Trennung der beiden Körper voneinander.

Zeichen des Lebens und des Todes ist die An- oder Abwesenheit von prana (Lebensatem), allgemein als Atem bezeichnet. Abwesenheit von prana beendet die Tätigkeit des Herzens. Wenn Atmung und Herzschlag aufhören, stirbt der Mensch. Ein verwirklichter Yogi kann jedoch beides bewußt beherrschen und in einem Zustand absoluter Ruhe oder samadhi verweilen. Er erlangt Kontrolle über Leben und Tod. Dies ist das Mittel zur Erleuchtung. Sobald ein Yogi, um zu existieren, nicht mehr länger von Atmung und Herzschlag abhängig ist, erwacht in ihm das höchste Wissen. Er hat keine Angst mehr vor dem Tod, denn für ihn bedeutet Tod Freiheit von jeglichen Bindungen, ergo Befreiung.
Zum Zeitpunkt des Todes bewegt sich das verkörperte Selbst von einem Ort zum anderen. Der Tod ist entweder schmerzhaft oder friedvoll, je nach Karma des Individuums. Hat ein Individuum während seines Lebens das Stadium der bewußten Loslösung seines Selbst vom Körper erreicht, so bringt ihm der Tod keinen Schmerz. Er wird im voraus wissen, wann sein prarabdba-Karma erschöpft ist. Wenn die Zeit gekommen ist, verläßt er die Welt bewußt. Dies kann man jedoch nur durch regelmäßiges und aufrichtiges Meditieren erreichen.

Der Tod bedeutet nicht das Ende eines Individuums, so wie die Geburt nicht sein Anfang ist. Was ist dann der Tod? Der Tod ist der Vorgang, in dem das Selbst gemeinsam mit dem feinstofflichen Körper, der aus dem Verstand und all seinen Eindrücken zusammengesetzt ist, den grobstofflichen Körper verläßt. Diese Eindrücke bilden die Samen zukünftiger Geburt. Vor allem der letzte Gedanke eines Individuums entscheidet über seine nächste Geburt. Die letzten Gedanken werden aus den vorherrschenden Wünschen seines Lebens geformt. Deshalb sind Wünsche die Wurzel von Geburt und Tod. Werden die Wünsche vernichtet, sind die Wurzeln des Karma zerstört, und man entkommt dem Kreislauf von Geburt und Tod.

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Ein Kriya-Yogi beobachtet sieben "Feuer", wie sie die Wirbelsäule hinauf- und hinunterzirkulieren. Diese "Feuer" repräsentieren die Kraft Gottes. Äußerlich treten die sieben "Feuer" in Form von sieben verschiedenen Arten von Wünschen in Erscheinung; innerlich wird das "Feuer" als Licht wahrgenommen, welches zu Wissen, Bewußtsein, Überbewußtsein und kosmischen Bewußtsein führt. Indem man dieses Gottesfeuer in jeder Handlung beobachtet, kann man erkennen, das Gott im Körper der alleinig Handelnde ist. Dieses "Sonnen"- oder Gottesfeuer gewährt beständiges Seelenbewußtsein und Befreiung von Karma.


Dies ist jedoch nur durch aufrichtige Meditation möglich. Die Gita sagt eindeutig: »Wer alle Wünsche aufgibt und sich frei von allem Verlangen, Egoismus und Durst nach Vergnügungen bewegt, erlangt Frieden.« Dies ist der Zustand einer gottesverwirklichten Seele. Hat sie dieses Stadium erreicht, ist die Täuschung überwunden. Bleibt sie auch noch im letzten Augenblick in diesem Stadium, erlangt sie Glückseligkeit in Brahman. Wenn ein Individuum die Unsterblichkeit des Selbst erkannt hat, ist es erlöst. Für diesen einen Menschen hält das Rad von Geburt und Tod an. Daher ist es die Verantwortung jedes einzelnen Individuums, mit Hilfe der Gnade Gottes und der bereits Befreiten die eigene Befreiung zu erlangen.

So wie Gott unendlich ist, sind nach den hinduistischen Schriften auch die verkörperten Seelen (jivas) unendlich. Eine jiva durchläuft 8400000 Leben, bevor sie Befreiung erlangt. Davon finden 400000 Geburten in einem menschlichen Körper statt. Wenn man als Mensch geboren wurde, sollte man sehr umsichtig handeln und vernünftig leben, damit man den Willen Gottes erkennen kann. Wenn man dazu noch meditiert, wird sich die Kraft der Intuition verbessern, und der Entwicklungsprozeß wird im Zeitraum eines menschlichen Lebens stark beschleunigt.
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©Mit freundlicher Genehmigung:
Paramahamsa Hariharananda

©Bilder- Yogaspirit.de

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